Nicht besonders

Wenn ich als DJ auftrete, staunen Leute einerseits über die Bewältigung der Technik, andererseits finden sie es selbstverständlich, denn Blinde machen ja alle irgendetwas mit Musik. So sagt es das immer noch vorherrschende Klischee.

Christian Ohrens trägt einen Kopfhörer und genießt die Musik.
Christian Ohrens ist nicht nur DJ sondern auch Fotograf. (c) Christian Ohrens

Jedoch bin ich kein besserer DJ, nur weil ich blind bin. Menschen sollen mich wegen meiner Fähigkeiten buchen. Gerne auch, weil sie mich sympathisch finden. Aber bitte nicht, weil ich blind bin.

Leider war es genau das, was vielen Aufträgen in den letzten zehn Jahren im Wege stand. War ich zu offen und habe meine Blindheit im Vorgespräch gleich angesprochen, wurde ich in eine Schublade gesteckt und die Buchung kam nicht zustande. Natürlich wurde immer gesagt, dass es nicht an meiner Blindheit liegt. Und verschwieg ich die Blindheit, fühlten sich viele überrumpelt, ja sogar hintergangen. Dabei habe ich meinen Job zu aller Zufriedenheit erledigt, aber trotzdem stand die Behinderung wie ein bitterer Nachgeschmack im Raum. Man hätte sich doch auf meine „besonderen Bedürfnisse“ einstellen müssen. Wie ich dieses „besonders“ hasse, das viele ja gern als Behinderungs-Synonym verwenden. Denn wenn ich eines definitiv nicht sein möchte als DJ, dann ist es „besonders“, also in Hinblick auf meine Blindheit.

Anmerkung der Redaktion:

Christian ist nicht nur DJ, sondern auch Fotograf. Klingt erstmal widersprüchlich für einen Blinden? Christians Homepage klärt Euch auf:

Homepage: https://www.christian-ohrens.de/

Facebook: https://www.facebook.com/christian.ohrens

Instagram: https://www.instagram.com/christianohrens/